Bertolt Brechts Philosophie der Strasse

Ausgestrahlung 1999

Ein Hörspiel für vier Stimmen,

ausgestrahlt Radio ALR 1999

 

Der berühmte deutsche Schriftsteller, Dichter und Dramatiker Bertolt Brecht, von manchen auch Bert Brecht oder schlicht und einfach auf Rotwelsch B. B. genannt, wurde im kleinen und verschlafenen katholischen Augsburg im Jahre 1898, also vor genau hundert und ein Jahren geboren. Schon in der Schulzeit am engstirnigen städtischen Gymnasium tritt er für die Herren Studienräte mit allzu frechen Pamphleten hervor. Gewitzt und schlau, ja geradezu geboren zum Dichter, schreibt er sich nach abgetaner Schulzeit im zunächst revolutionären, doch alsbald schicken München der goldenen 20er Jahre an der philosophischen, doch dann an der medizinischen Fakultät ein. Mit dem Studium der Medizin wird wie mit dem Studium der Philosophie allerdings nichts. Vielleicht wird Brecht auf seine Art Goethes Faust gelesen haben, denn dort steht ja bekanntlich, dass der Held dieser titanischen Geschichte angeblich auch noch nach dem Studium der Philosophie, der Theologie, der Juristerei und überdies der Medizin noch ein Tor geblieben sei! Doch selbst angesichts eines solchen exemplarischen Unglücks jenes berühmten klassischen Helden, der das anmutige Gretchen zur philosophischen Kompensation in Versuchung brachte, lässt sich Brecht weder mit dem dunklen Mephisto, noch mit seinem Pudel, oder philosophisch besehen, mit des Pudels Kern ein. Nein, vielmehr schickt sich Brecht wagemutig in die schriftstellerische Tat. Etwas vom Rüstzeug aber, das er in den dunklen Hallen der Abteilung Pathologie der medizinischen Fakultät zu München erworben hatte, nahm er doch mit. Freilich ist es nun nicht das medizinische, sondern das literarische Skalpel. Brecht wechselt den Beruf des angehenden Meisterchirugen oder Sezierers und wird chirurgischer, sezierender Schriftsteller. Sein Studienobjekt ist nun aber nicht das aus der rue morque, wie man vielleicht voreilig vermuten könnte, und wie das sein Dichterfeind Gottfried Benn getan hat, sondern - richtig geraten - die lebendige und allseitige, oder für uns Nachgeborene vielleicht ein wenig pessimistischer, die allseitig vermittelte Gesellschaft. [Auszug]

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