«Die Vertreibung - Ein dokumentarisches Theaterstück zur Nakba in vier Fragmenten»

 

Über 60 Jahre dauert nun der israelisch-palästinensische Konflikt. Die Perspektiven sind düsterer denn je, auch wenn wir mit dem palästinensischen Dichter Mahmud Darwisch wissen, dass die Lösung dieses Jahrhundertkonfliktes im Fluchtpunkt dieses Satzes liegt: «Diese Belagerung wird dauern, bis der Belagerer wie der Belagerte fühlt, dass Verdruss eine menschliche Eigenschaft ist.»

Das Theaterstück «Die Vertreibung» arbeitet in der Weise des Dokumentartheaters. Das Stück versammelt Augenzeugenberichte von palästinensischen, israelischen und Schweizer Zeitzeugen aus der Zeit von 1948 bis heute. Auch Berichte von NGOs, Zeitungsberichte, Kommentare von Historikern und Zitate aus historischen Dokumenten gehen in das Stück ein. Die Ordnung des Materials stützt sich auf die neuesten Erkenntnisse von palästinensischen und israelischen Historikern ab, die auf Grund der Öffnung der Archive in Israel ein neues Licht auf die Ereignisse von 1948 werfen. In drei Fragmenten erzählen die Protagonisten, allesamt Zeitzeugen des Krieges von 1948 und heute Flüchtlinge, ihre Geschichte und ihre persönliche Variante der Nakba, als sie kurz vor oder nach der Gründung des Staates Israel 1948 und des Ausbruch des arabisch-israelischen Krieges aus ihren Häusern, von ihrem Land und aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Die gegenwärtige palästinensische Situation, bestimmt durch Siedlungs- und Mauerbau, wird in einem vierten Fragment durch den schonungslosen Bericht eines israelischen Soldaten nachgezeichnet, der in einem Interview mit einer israelischen Zeitung ein erschütterndes Zeugnis ablegt. Der Soldat, Lenker eines 60 Tonnen schweren Bulldozers, erzählt, wie er während drei Tagen, ausgerüstet mit Zigaretten und Whisky, schlaflos seine «Arbeit» verrichtet, die komplette Zerstörung eines Teils des Flüchtlingslagers Dschenin im Jahre 2002. Das Stück endet mit einem Epilog zur israelischen Offensive «Gegossenes Blei», die im Januar 2009 beendet wurde.

Die Anerkennung der Nakba ist einer der Grundsteine für die Lösung des Konflikts und eine Voraussetzung für die Versöhnung. Sie hat zur Voraussetzung auch das Vermögen, dass man der Narration des Anderen, seiner Erzählung zuhört.  Das ist eines der Anliegen des Stücks. 

 

Schreiben nach der Nakba – Ein dokumentarisches Theaterstück zur Nakba in vier Fragmenten. Werkstattbericht zum Theaterstück. In: Itinera 28: Georg Kreis (Hrsg.): Judentum, Holocaust, Israel, Palästina. Schwabe Verlag 2009.

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Uraufführung:

Schlachthaus Theater Bern, März 2009

 

 

 

Gastspiele:

Theater Basel 2009

Imprimerie Basel 2009

Kulturm Solothurn 2010

Rote Fabrik, November 2011

Volksbühne Berlin, Winter 2012